Vorbemerkung:

Mit dem Demogeld-Mythos haben wir uns an dieser Stelle auch deshalb nochmals beschäftigt, weil ein Teil der Demonstrierenden auf den „Grundrechte“-Demos wirkt, als könnten sie sich wirklich nicht vorstellen, dass Menschen es für zwingend notwendig halten bzw aus voller Überzeugung gegen sie bzw die verbreiteten Inhalte zu protestieren.

Die Theorie, Antifaschist*innen würden für ihr Engagement Geld erhalten, hält sich schon sehr lange und wird immer wieder erwähnt. Herausgeholt wird dazu oft ein Artikel aus der taz aus dem Jahr 2015, der über Demogeld für Antifas berichtet. Dass dieser Artikel reine Satire ist, wird dabei oft nicht erkannt. Nein, es gibt keinen festen Stundenlohn, den Demoteilnehmende von antifaschistischen Gruppen ausgezahlt bekommen und auch keine Ausgabestellen für Demogeld.

Diese Behauptung ist aber auf vielen Ebenen lesbar und sollte daher immer genauer betrachtet werden.

Durch eine Bezahlung würde die Teilnahme an Demonstrationen nicht mehr aus Überzeugung stattfinden, sondern aus kapitalistischen Interessen. Demonstrierenden wird somit nachgesagt, dass sie antifaschistische Proteste rein aus finanziellen Gründen auf die Straße tragen und ihr Protest somit nicht so viel wert sei, wie der Protest anderer Gruppen.

Außerdem sollen antifaschistische Gruppen vom Staat bezahlt werden. Zu einem gewissen Teil trifft dies zu. Viele Stiftungen und Organisationen, die sich gegen Faschismus einsetzen, erhalten staatliche Gelder. In Anbetracht der deutschen Geschichte ist dies jedoch absolut berechtigt und es sollte auch öffentliches Interesse sein, dass Organisationen, die sich gegen menschenfeindliches Gedankengut einsetzen, Unterstützung erhalten.

Durch die staatliche Unterstützung sind diese Organisationen, Vereine etc. allerdings nicht automatisch vom Staat gekauft, auch wenn eine solche finanzielle Abhängigkeit durchaus zu problematisieren ist. Viele Menschen erhalten Geld von staatlicher Seite, die nicht dauernd als „vom Staat gekauft“ diffammiert werden, beispielsweise Polizist*innen, Lehrer*innen und Professor*innen, Angestellte in staatlichen Gesundheits- und Forschungseinrichtungen, Menschen bei der Bundeswehr, Parlamentarier*innen und ihre Angestellten. Dabei ist es besonders beängstigend, wie viele Menschen mit rechtsextremer Gesinnung von den Parlamentarier*innen der AfD angestellt sind und somit ebenfalls staatlich finanziert werden.