Bis 2011 war Ken Jebsen als Fernseh- und Radiomoderator tätig. Wegen Verstößen gegen journalistische Standards wurde er vom rbb entlassen. Seitdem betreibt er unter dem Namen Ken FM sowohl eine Internetseite, als auch einen Youtube-Kanal. Letzterer hat fast eine halbe Million Abonnent*innen und umfasst 1500 Videos. Darin verbreitet er Theorien zu verschiedensten Themen. Auffällig ist dabei neben wirr und widersprüchlich wirkenden Thesen auch immer wieder Antisemitismus – mal etwas versteckter, mal sehr deutlich.

Die Ignorance Meditation (stille Meditation mit einem Grundgesetz in der Hand, beispielsweise auf den Hygiene-Demos) geht auf Ken Jebsen zurück.

Ein paar Beispiele:

In einem millionenfach gesehenen Video unterstellt Jebsen, Bill und Melinda Gates hätten die WHO, Medien und Virologen gekauft und würden über Impfungen Menschen zwangssterilisieren wollen. Hier arbeitet Jebsen, wie meistens, mit einer Mischung aus Übertreibungen, Halbwahrheiten, Falschmeldungen und Angstmache: Zwar hat die Bill und Melinda Gates Stiftung einen mit 10% durchaus relevanten (und ggf. auch kritikwürdigen) Anteil an der Finanzierung der WHO, von einem Kauf kann aber wahrlich nicht die Rede sein. Anteile an Finanzierungen des Spiegel und der Charité weisen möglicherweise auf eine Einflussnahme hin, bewegen sich aber in ganz anderen Dimensionen als von Jebsen behauptet. Eine permanente Sterilisation ist über Impfungen nicht möglich, diese Behauptung entbehrt also jeglicher Grundlage. Komplexe Machtverhältnisse werden von Jebsen auf vermeintlich einzelne Schuldige reduziert und so verkürzt massentauglich gemacht und vermarktet.

Auf einer Demo zieht Jebsen Vergleiche zwischen der aktuellen Corona-Situation und den Rassengesetzen der Nazis, womit er letztere instrumentalisiert und verharmlost.

Jebsen behauptet der (jüdischstämmige) Investor George Soros „erhoffe sich eine Zunahme an Abtreibungen, damit er am Verkauf toter Embryonen an die Pharmaindustrie verdiene“. Damit bedient er platteste Propaganda von fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen und diskreditiert feministische Anliegen. Und ganz nebenbei schreibt er, fast wie zufällig, einem jüdischstämmigen Menschen zutiefst böse Absichten zu.

Ken Jebsen schrieb weiterhin, er wisse, dass Edward Bernays (ein Jude) „den Holocaust als PR erfunden“ habe. Bernays selbst beschreibt in seiner Autobiografie, seine Schriften hätten Einfluss auf Goebbels gehabt und die NS-Attacke auf die Juden Deutschlands sei eine geplante Kampagne gewesen. Daraus nun aber abzuleiten, Bernays habe „den Holocaust als PR erfunden“ geht vollkommen an der Realität vorbei und bedient (ohne es explizit auszusprechen) das klassisch antisemitische Muster, Juden/ Jüdinnen seien am Holocaust selber schuld.

Sehr deutlich wird es im Videobeitrag „Zionistischer Rassismus“: „Kein Volk hat mehr Erfahrung im Foltern von arabischen Semiten als jüdische Semiten und diese Erfahrung kommt auch in Abu Ghraib und Guantanamo, also nicht nur in israelischen Gefängnissen zum Einsatz.“

Hier wird behauptet, die Grausamkeiten beispielsweise in Guantanamo basierten mindestens zum Teil auf jüdischem Einfluss. Außerdem wird unterstellt, es gäbe ein spezifisch jüdisches Fachwissen im Foltern.

Jebsen steigert sich in seine absurden Vorstellungen noch weiter hinein: „Das grausame Schicksal der Überlebenden der europäischen Juden hat die Nachfahren stumpf gemacht gegenüber dem Leid anderer Menschen. Ihr Grausamkeitslevel verläuft auf einer vom Holocaust gefrästen Vernichtungskurve. Diese ist und war in all ihren Aspekten pervers und taugt nicht als Orientierung für eine humanere Welt.“ Hier behauptet er nun also, Juden und Jüdinnen seien gerade wegen des Holocaust abgestumpft und unfähig, eine humanere Welt aufzubauen. Eine dreistere Verhöhnung der Opfer und Nachfahren ist schwer denkbar.

Trotz dieser eindeutigen Aussagen, wird der Antisemitismus von Ken Jebsen oft geleugnet oder verharmlost. Wer in Aussagen wie den obigen keinen Antisemitismus erkennt, will ihn nicht erkennen.

Quellen: