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Gegenöffentlichkeit in Flensburg

Demo in Eckernförde: Kein Bock auf Xavier Naidoo, FreiWild und Heiko Schrang

Am 11. Juli 2020 demonstrierten auf der „Freedom Parade“ in Eckernförde mehrere hundert Menschen unter dem Motto „Aufstehen für Freiheit“ vom Skaterpark bis zur Hafenspitze. Wir demonstrierten mit rund 30 Menschen sowohl am Ort ihrer Auftaktkundgebung als auch am Endpunkt gegen diese Demo und ihre verkürzten Erklärungen, den dort vertretenen Rassismus und Antisemitismus. Unsere Überzeugung: Wer für Freiheit auf die Straße geht, muss sich ernst gemeint von rechtem Gedankengut distanzieren, um glaubwürdig zu sein.

Das Gegenteil von Distanzierung war zu erleben:

Auf der Demo lief Rechtsrock von Freiwild und Songs des homophoben und antisemitischen Reichsbürgers Xavier Naidoo. Außerdem ein deutlich antisemitisches Lied von Lisa Fitz. Wir sahen Menschen mit Ketten und T-Shirts des Youtubers Heiko Schrang. Schrang ist ein bekannter Verschwörungstheoretiker, der Corona für eine Methode hält, um Menschen zwangszuimpfen und zwangszuchippen. Er ist Antisemit und Sympathisant von Rechtsradikalen und Reichsbürgern. Demonstrierende malten an der Eckernförder Hafenspitze mit Kreide einen Kreis mit einem Punkt darin auf die Straße – das Markenzeichen von Schrang.

Das „Lied zum Widerstand“ von Nikolai Freimann war auch zu hören. Es verbreitet neben blindem Hass auf die Medien und mindestens angedeutetem Antisemitismus, noch die mittlerweile altbekannte Theorie von Bill Gates und Corona. Und in einem Song von SchwrzVyce, der ebenfalls gespielt wurde, („Fake News Media“) wird Merkel mit Hitler verglichen – eine widerliche Verharmlosung des dritten Reiches und eine indiskutable und ekelhafte Verhöhnung aller Opfer das Nationalsozialismus.

In den gehaltenen Reden wurde Corona verglichen mit einer gewöhnlichen Influenza oder mit Thrombose. Vermeintlicher Beleg dieser wirren Logik:  Die niedrige Sterberate in Deutschland. Dass damit  Ursache mit Wirkung verwechselt wurde, weil die Sterberate  naheliegender Weise erst durch die Maßnahmen  niedrig gehalten wurde, wurde nicht einmal als These in Betracht gezogen. Stattdessen wurde pauschal gegen alle Maßnahmen gewettert. Verteilt wurden – wenig überraschend – die Zeitungen des Demokratischen Widerstands, einer Initiative auf deren Demos sich in Berlin auch bekennende Rechtsradikale tummeln.

Wir haben in den letzten Wochen bei solchen Demos Schilder hochgehalten, auf denen stand „Kein Bock auf Querfront“. Manche der Demonstrierenden haben daraufhin geantwortet, dass sie keine Rechten seien. Das haben wir auch nicht behauptet und unterstellen es auch nicht allen von ihnen. Aber wir behaupten: Sie demonstrieren gemeinsam mit Rechten. Und das finden wir gefährlich und falsch. Gefährlich, weil es nationalistisches Gedankengut als etwas „normales“ behandelt. Als etwas, worüber zeitweise hinweggesehen werden könne. Etwas, was ausgeblendet werden kann zugunsten eines (vermeintlichen) gemeinsamen Anliegens. Es macht ein Stück weit fassungslos, das wirklich erklären zu müssen: Man demonstriert nicht gemeinsam mit Nazis, verdammte Scheiße.

Einige erwidern, sie würden in solchen Kategorien wie rechts und links nicht denken. Einige derer, die uns das in den letzten Wochen in Flensburg sagten, waren sogar mal selbst aktiv bei der AfD. Aber uns geht es nicht um Begriffe. Ob sich Rechte als rechts begreifen oder nicht, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist: Wir werden nicht gemeinsam auf die Straße gehen mit Menschen, die an den europäischen Außengrenzen auf Flüchtlinge schießen wollen. Mit Menschen, die sich selbstbewusst als rassistisch bezeichnen, explizit antifeministische Positionen vertreten und den menschengemachten Klimawandel leugnen. Mit „Freiheit“ oder „Grundrechten“ haben solche Positionen nichts zu tun.

Viele der Demonstrierenden betonen, sie seien nur „kritisch“ und wahrlich weder rechts noch antisemitisch oder rassistisch und wir würden sie verleumden (womit wir dann vermeintlich die Fachisten seien in ihrer absurden „Logik“). Und dann, keine drei Minuten später läuft der schon erwähnte Rechtsrock von Freiwild oder jemand schwärmt von den vermeintlich großartigen Videos des antisemitischen Ken Jebsen. QAnon-Anhänger faseln von einer Weltverschwörung und der Befreiung gefangener Kinder durch Trump, Xavier Naidoo und Attila Hildmann gelten als beeindruckende Vorbilder, obwohl sie ebenfalls QAnon-Mythen und rechtsextreme und rassistische Reichsbürger-Gedanken reproduzieren.

Nein, diese Theorien sind leider kein harmloser Blödsinn. Die Attentäter in Halle, Hanau und Celle waren beispielsweise stark beeinflusst von QAnon. Demos wie die Freedom Parade schaffen Nährboden und Akzeptanz für menschenverachtendes Gedankengut und die daraus resultierenden Morde.

Und: Nein, diese Theorien sind auf diesen Demos nicht vereinzelt anzutreffen, sondern bilden das ideologische Fundament dieser Szenerie. Zahlreiche Chatgruppen von Teilnehmenden und Orgastrukturen bestehen fast ausschließlich aus diesen kruden Verschwörungen. Selten auch nur eine Spur von Analyse, hier geht es um vereinfachte Welterklärungen, simple Feindbilder.

Und bevor wir falsch verstanden werden: Nein, wir müssen uns nicht mit allen Menschen mit denen wir gemeinsam auf die Straße gehen in allen Punkten einig sein. Aber es gibt unüberbrückbare Differenzen, unverhandelbare Grundlagen.

Keinen Fußbreit dem Faschismus! Gegen jeden Antisemitismus!

 

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